Zwischen Hackathon, KI-Kunst und Carsharing: Das digitale Jahr 2025 in Karlsruhe

Das Bild zeigt Impressionen der Schlosslichtspiele. Zu sehen ist die Fassade des Schlosses mit der Projektion

Was passiert, wenn offene Daten helfen sollen, die Polykrise zu verstehen? Wenn junge Menschen Technik nicht nur konsumieren, sondern bauen? Wenn KI nicht Selbstzweck ist, sondern Haltung zeigt? Und wenn Mobilität, Kunst und Stadtentwicklung digital neu gedacht werden?

2025 war ein Jahr, in dem Code auf Stadtgesellschaft traf, KI auf Kunst, Sensoren auf Fahrräder – und Ideen plötzlich ganz real wurden. Zwischen Hackathons und Medienkunst, Schüler*innenprojekten und internationalem Austausch entstand 2025 ein dichtes Geflecht aus Innovation, Verantwortung und Neugier. Wer wissen will, wie Zukunft konkret aussieht, muss nicht weit reisen, nur lesen.

Blick auf die Teilnehmer*innen
Tackle the Polycrisis – das versuchten die Teilnehmer*innen der HackDays 2025. Foto: karlsruhe.digital

Gemeinsam für eine bessere Zukunft

Wir starteten ins Eventjahr 2025 mit nichts weniger als dem Versuch, die Polykrise anzugehen, zumindest datenbasiert. Die HackDays Karlsruhe 2025 fanden im März im House of Living Labs am FZI statt und waren Teil des internationalen Open Data Day. Unter dem Motto „Open Data to Tackle the Polycrisis“ arbeiteten Teilnehmende mit offenen Daten an Lösungen für städtische und gesellschaftliche Fragestellungen wie Mobilität, Umwelt und nachhaltige Stadtentwicklung.

karlsruhe.digital war Mitveranstalter der HackDays und gestaltete das Format gemeinsam mit Partnern aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Verwaltung. Charakteristisch war der interdisziplinäre Ansatz: Programmierung, Datenanalyse, Gestaltung und konzeptionelle Arbeit griffen ineinander. Die Ergebnisse wurden nicht als abgeschlossene Produkte verstanden, sondern als Ausgangspunkt für Weiterarbeit – unter anderem im anschließenden DatenCafé, das die Projektentwicklung über den Hackathon hinaus ermöglichte.

Mit CycleSense rollte 2025 ein Projekt los, das exemplarisch für den Karlsruher Ansatz in der Smart City steht: aus einer Schüler*innen-AG hervorgegangen, wissenschaftlich fundiert und offen für Beteiligung. Zum Auftakt trafen sich rund 100 Interessierte im CyberForum Karlsruhe, um ein Messkonzept kennenzulernen, das Feinstaub dort erfasst, wo er entsteht: mobil, auf dem Fahrrad und im täglichen Stadtverkehr. Mehr als 100 Sensorboxen ermöglichen eine flächendeckendere Datengrundlage als bisherige stationäre Messpunkte. Über LoRaWAN werden gesammelte reale Messwerte übertragen und stellen Diskussionen über Luftqualität, Mobilität und Gesundheit auf eine neue Datenbasis.

Reges Treiben vor dem Ausgabeschalter der CycleSense-Boxen.
Reges Treiben vor dem Ausgabeschalter der CycleSense-Boxen. Foto: Jürgen Rösner

LEARNTEC: Bildung in der digitalen Praxis

Die LEARNTEC 2025 stand im Mai erneut im Zeichen digitaler Bildung und neuer Lernformate. karlsruhe.digital war nicht nur Medienpartner der Messe, sondern gemeinsam mit der technika – Karlsruher Technikinitiative mit einem eigenen Gemeinschaftsstand vertreten. Dort präsentierten Schülerinnen und Schüler aus Karlsruher Technik-AGs die Ergebnisse ihrer Arbeit und gaben Einblick in ihre Projekte.

Im Mittelpunkt standen konkrete Anwendungen: selbst entwickelte Konstruktionen, technische Experimente und Prototypen, die ohne vorgegebene Bauanleitungen entstanden waren. Die auf der LEARNTEC viel diskutierten Future Skills, etwa eigenständiges Problemlösen, praktisches Arbeiten und interdisziplinäres Denken, wurden so nicht abstrakt beschrieben, sondern unmittelbar sichtbar gemacht. Die parallele NEW WORK EVOLUTION unterstrich zudem, wie eng Bildung und Arbeitswelt inzwischen zusammengedacht werden.

Gemeinschaftsstand von karlsruhe.digital und technika.
Gemeinschaftsstand von karlsruhe.digital und technika auf der LEARNTEC 2025 – mit interaktiven Exponaten und Projekten junger Tüftler*innen. Foto: karlsruhe.digital

GodotCamp: Offene Entwicklung und Community

Mit dem GodotCamp 2025 war Karlsruhe im Mai Gastgeber eines Barcamps zur Open-Source-Game-Engine Godot. Das von der Community organisierte Format setzte bewusst auf Offenheit: Inhalte entstanden spontan aus den Vorschlägen der Teilnehmenden, ohne feste Agenda oder eingeladene Speaker. karlsruhe.digital war als Partner des Godot Stammtisch Karlsruhe e.V. an der Umsetzung beteiligt und begleitete gemeinsam mit dem FZI ein Wochenende, das weniger auf fertige Ergebnisse als auf Austausch, gemeinsames Lernen und kollaborative Entwicklung in offenen Formaten ausgerichtet war. Sichtbar wurde dabei die Bedeutung offener Technologien und selbstorganisierter Communities für kreative digitale Arbeit – auch jenseits klassischer Konferenzformate.

Die App in der Ansicht eines Mobiltelefons
Toxifree soll Frauen behutsam helfen aus toxischen Beziehungen zu finden ohne Druck, oder Scham, also möglischt niedrigschwellig. Foto: karlsruhe.digital / Katharina Iyen

#DigiWomenKA: Toxifree

Im Rahmen der Reihe #DigiWomenKA wurde mit Toxifree eine besondere App vorgestellt, die – ebenso wie ihre Gründerinnen – für verantwortungsvollen KI-Einsatz und weibliche Gründungsinitiativen steht. Deutlich wurde dabei, wie sich psychologisches Fachwissen, durchdachtes UX-Design und Künstliche Intelligenz sinnvoll verbinden lassen, mit einem klaren Fokus auf Datenschutz, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Wirkung.

30 Jahre Stadtmobil: Carsharing als etablierter Mobilitätsbaustein

Mit dem 30-jährigen Bestehen von Stadtmobil Karlsruhe wurde 2025 deutlich, wie sehr Carsharing inzwischen zur alltäglichen Mobilität gehört. Was Mitte der 1990er Jahre als bewusst alternatives Modell begann, ist heute ein digital organisiertes Angebot, das flexible Nutzung, transparente Abrechnung und ressourcenschonende Mobilität verbindet. Die konsequente Digitalisierung, von der Buchung bis zur Fahrzeugöffnung per App, macht Carsharing für viele zu einer praktikablen Alternative zum eigenen Auto. Zugleich zeigt Stadtmobil, welche Rolle Sharing-Angebote als Baustein einer Smart City spielen können: weniger Fahrzeuge, effizientere Nutzung und neue Spielräume für nachhaltige Stadtentwicklung – in Karlsruhe ebenso wie im Umland.

Zum Beitrag über Stadtmobil
Foto: Stadtmobil / Daniel Foltin

Über Karlsruhe hinaus: InBus-Conference zur FUTUROMUNDO

Mit der InBus-Conference zur FUTUROMUNDO 2025 setzte karlsruhe.digital im Sommer einen Akzent über die Stadtgrenzen hinaus. Eine eigene Karlsruher Delegation reiste gemeinsam nach Stuttgart, nicht als klassische Exkursion, sondern als bewusst gestaltetes Format, bei dem Austausch und inhaltliche Impulse bereits auf der Anreise begannen. Der Bus wurde so zum mobilen Konferenzraum, in dem Vernetzung, Diskussionen und Einblicke in Themen der digitalen Stadtentwicklung im Mittelpunkt standen.

In Stuttgart traf die Delegation auf ein neues Veranstaltungsformat, das Konferenz, Clubhouses und Festival miteinander verband. Für karlsruhe.digital stand dabei weniger das Event selbst als der Perspektivwechsel im Fokus: der Blick von außen auf Zukunftsthemen wie Transformation, Bildung, Unternehmertum und Stadtentwicklung und die Frage, welche Impulse davon zurück nach Karlsruhe getragen werden können.

Futuromundo Installation
Karlsruhe bei der FUTUROMUNDO. Foto: karlsruhe.digital

UNESCO City of Media Arts: Kunst, Technologie und Stadtraum

Schlosslichtspiele: Wissenschaft als Medienkunst

Mit den Schlosslichtspielen 2025 wurde Karlsruhe im Spätsommer erneut als UNESCO City of Media Arts sichtbar. Unter dem Motto „The Shining Lights of Science“ verband das Festival Medienkunst, Wissenschaft und Technologie und stellte das 200-jährige Jubiläum des KIT in einen künstlerischen Kontext. Die Projektionen auf der Schlossfassade übersetzten wissenschaftliche Fragestellungen in visuelle und akustische Erlebnisse und machten Forschung im öffentlichen Raum erfahrbar. Ergänzt durch Beiträge internationaler Künstler*innen, Installationen außerhalb des Schlossareals und die ZKM Summer School wurde deutlich, wie Medienkunst in Karlsruhe nicht als Einzelereignis, sondern als Teil einer gewachsenen kulturellen Infrastruktur verstanden wird.

Bunt-surrealistische Bildcollage mit kindlichen Figuren und blühenden Bäumen, inspiriert von KI-generierten Visionen.
„Le taxi pour l’avenir heureux“ von Benjamin Jantzen: KI-generierte Traumwelt auf dem Weg zu den UN-Zielen. Foto: Schlosslichtspiele

FLORA MOMENTUM: KI-Kunst im urbanen Alltag

Einen anderen künstlerischen Akzent setzte FLORA MOMENTUM am Stephanplatz. Die Installation des Kollektivs ato nutzte KI-generierte Bildwelten, um eine bislang funktionale Durchgangsfläche temporär in einen Aufenthalts- und Reflexionsraum zu verwandeln. Kunst wurde hier nicht inszeniert, sondern in den Alltag und den Stadtraum integriert, als Impuls für neue Perspektiven auf Stadt, Natur und Technologie. In Kooperation mit städtischen Programmen zeigte FLORA MOMENTUM, wie künstlerische Praxis zur Stadtentwicklung beitragen kann. Dass das Projekt später auch beim InnovationFestival @karlsruhe.digital vorgestellt wurde, unterstrich den Anspruch, Kunst, digitale Transformation und gesellschaftliche Fragestellungen zusammenzudenken.

Rosa Installation mit pinkem KI-Pflanzenbild und Menschen auf pinkem Stadtmobiliar auf dem Stephanplatz
Die farbintensive Installation inszeniert KI-Interpretationen von Heilpflanzen und schafft gleichzeitig soziale Aufenthaltsqualität. Im Bild sichtbar: Besucher*innen, die auf dem Stadtmobiliar sitzen und interagieren. Foto: Sebastian Heck

Eine Bühne für regionale Innovation: das InnovationFestival 2025

Einen inhaltlichen Kulminationspunkt fand das Digitaljahr 2025 im InnovationFestival im Oktober im ZKM. Zum vierten Mal bot karlsruhe.digital mit diesem Format den digitalen Innovationen aus Karlsruhe und der TechnologieRegion Karlsruhe eine große Bühne.

Das InnovationFestival ist längst kein Ersatz-Event für die Bunte Nacht der Digitalisierung mehr. Es ist ein sorgsam kuratiertes Markenformat: zehn Pitches, zehn Minuten, klare Themen. Statt Messeatmosphäre steht hier die inhaltliche Auseinandersetzung im Vordergrund. Gezeigt wird, was in der Region entsteht – von Start-ups, aus Forschungseinrichtungen und aus Unternehmen, die digitale Innovationen bereits im Alltag einsetzen und damit die Digitale Transformation weit über die Stadtgrenzen hinaus prägen.

Digitale Souveränität – ein Thema, das uns noch weit über das InnovationFestival beschäftigen wird. Foto: Dennis Dorwarth Photographie

In diesem Jahr wurde dabei ein Thema besonders greifbar, das über das Festival hinausweist: digitale Souveränität. Die Keynote setzte einen klaren Rahmen und machte deutlich, dass es bei Digitalisierung nicht nur um Effizienz oder Innovationstempo geht, sondern um Selbstbestimmung, Kontrolle über Daten und die Frage, wie eine zukunftsfähige digitale Gesellschaft gestaltet werden kann.

Die anschließenden Pitches blieben konsequent praxisnah. Sie zeigten autonome Scan-Roboter im Einzelhandel, KI-Assistenten im Klinikalltag, semantische Produktsuchen im Onlinehandel, modulare Systeme für die lokale Medikamentenproduktion oder neue Wege, Wissen digital zu sichern und weiterzugeben. Ergänzt wurden diese technischen Perspektiven durch künstlerische Zugänge, die Digitalisierung als gesellschaftlichen Spiegel begreifen.

Foto vom Publikum
Besucher*innen nehmen neue Impulse mit. Foto: Dennis Dorwarth Photographie

Einmal mehr erlebten die Besucher*innen im ZKM und online was das InnovationFestival auszeichnet: eine bewusste Auswahl, regionale Verankerung und der Anspruch, Innovation nicht abstrakt, sondern anwendbar zu zeigen. Für karlsruhe.digital ist das Festival damit mehr als ein Event. Es ist ein Ort, an dem sichtbar wird, wie vielfältig und anschlussfähig digitale Innovation aus Karlsruhe sind.

Was bleibt von 2025?

Rückblickend war 2025 kein Jahr einzelner Leuchttürme, sondern eines der Verbindungen. Zwischen Wissenschaft und Stadt, zwischen Technologie und Gesellschaft, zwischen etablierten Institutionen und neuen Initiativen. Karlsruhe hat gezeigt, dass es ein relevanter Digitalstandort ist, ein Ort, an dem echte Innovation entsteht und an dem Digitalisierung als Motor für eine souveräne und zukunftsfähige Gesellschaft verstanden wird.

karlsruhe.digital versteht sich dabei weiterhin als Plattform und Vernetzer: als Raum, in dem Akteur*innen der Digitalbranche zusammenkommen, Ideen sichtbar werden und gemeinsame Projekte entstehen können.

All das wäre nicht möglich ohne die vielen Partner*innen, Institutionen, Initiativen und Menschen, die 2025 mitgestaltet haben – bei Hackathons, Workshops, Konferenzen, Festivals und Diskussionen.

Wir danken allen, die dieses Jahr geprägt haben, und wünschen eine erholsame Weihnachtszeit. Auf ein Jahr 2026, das auf diesen Erfahrungen aufbaut.

Euer Team von karlsruhe.digital 🎄✨