Schlosslichtspiele 2025: The Shining Lights of Science
Wenn das Schloss zur Leinwand für Wissenschaft wird
Wenn sich das Karlsruher Barockschloss im Spätsommer in eine gigantische Leinwand verwandelt, weiß man: Die Schlosslichtspiele sind zurück. Vom 14. August bis 14. September feiert die UNESCO City of Media Arts bereits zum elften Mal ihr weltweit beachtetes Lichtfestival – und das mit einem Programm, das Kunst, Wissenschaft und Technologie auf einzigartige Weise miteinander verschränkt.
Unter dem Motto „The Shining Lights of Science“ widmet sich die diesjährige Ausgabe ganz dem 200-jährigen Jubiläum des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Kaum ein Thema passt besser zu dieser Stadt, die seit jeher für Forschungsgeist, Technikaffinität und kreative Avantgarde steht. Die rund 170 Meter breite Schlossfassade wird dabei zum Resonanzraum für künstlerische Visionen, die von den Errungenschaften der Wissenschaft inspiriert sind und gleichzeitig weit darüber hinausweisen.
Drei Preisträger, drei Perspektiven: Der BBBank Award 2025
In diesem Jahr spielt vor allem der BBBank Award 2025 eine herausragende Rolle, der erstmals gleich drei gleichrangige Gewinner hervorbrachte. Besonders spannend ist, wie unterschiedlich die Handschriften der ausgezeichneten Künstler*innen sind – und wie sie jeweils die Verbindung von Kunst, Wissenschaft und Philosophie ins Bild setzen.
Der polnische Medienkünstler Ari Dykier setzt mit seiner Arbeit „Reflexion in Technik“ bewusst einen Kontrapunkt zur oft glatten Ästhetik KI-generierter Bildwelten. Mit digitaler Paper-Cut-Optik und einem metallisch anmutenden Soundtrack entwirft er eine poetische Vision, die an historische Medientechnik erinnert und doch den Blick nach vorn richtet: Technologie soll uns nicht in engen Mechanismen gefangen halten, sondern in ein aufgeklärtes, kreatives Morgen führen.
Ganz anders nähert sich die Künstlergruppe SKG+ aus Shenzhen dem Thema. Ihre Projektion „The Tao. The Flow of the Universe“ verbindet die Philosophie des Taoismus mit wissenschaftsphilosophischen Fragen und schafft einen faszinierenden Brückenschlag zwischen traditioneller chinesischer Tuschemalerei und modernster Projektionskunst.

Währenddessen bringt das in Barcelona ansässige Studio VPM mit „λ (Waves of Matters)“ das Schloss selbst zum Schwingen. Unsichtbare Wellen, die im physikalischen Labor berechenbar sind, verwandeln sich in vibrierende Licht- und Klangstrukturen.

Mehr als ein Wettbewerb: Die Highlights darüber hinaus
Doch das Festival bietet weit mehr als die drei Gewinnerarbeiten. Der Mannheim Künstler Benjamin Jantzen widmet sich mit „Le taxi pour l’avenir heureux“ den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen. Auch das spanische Duo Los Romeras bringt mit „Science for Impact“ eine Hommage an die Forschung des KIT auf die Fassade.


Und wenn schließlich das international gefeierte Kollektiv Maxin10sity nach Karlsruhe zurückkehrt, verlassen die Schlosslichtspiele sogar ihren angestammten Ort: Zehn Jahre nach der legendären Show „300 Fragments“ inszenieren sie mit „Stellar Sanctuary“ die Evangelische Stadtkirche.

Stimmen aus dem Festivalteam: Rückblick und Ausblick
„Durch die große Vielfalt unterschiedlichster Shows – aus dem Bestand sowie der neuen Arbeiten – wird ein Blick zurück auf die vergangenen 10 Jahre geworfen. Neue Aspekte wie der Workshop im ZKM oder die Lichtinstallation in der Stadtkirche zeigen zugleich Möglichkeiten für die Zukunft“ erklärt Sebastian Schneider, Projektleiter Schlosslichtspiele bei der KME Karlsruher Martketing und Event GmbH. „Neben den neuen Shows mit ihren teils ungewohnten Bildwelten bin ich vor allem auf die Lichtinstallation in der Stadtkirche gespannt und darauf, wie die Karlsruher Fans von Maxin10sity reagieren. Insgeheim freue ich mich aber am meisten auf ›Fragments of Reality‹ von Alessandro Lupi – eine nachhaltige Installation mit Spiegeln, die ganz ohne Technik auskommt.“
Nachwuchs, Experimente, Perspektiven: Die ZKM Summer School
Ergänzt wird das Programm durch die Summer School des ZKM, bei der 15 internationale Nachwuchskünstler*innen in kürzester Zeit ein eigenes Werk entwickelt haben. Gemeinsam mit dem eigens komponierten Soundtrack von Anton Kossjanek eröffnet es neue Perspektiven auf das, was Projection Mapping sein kann.
Ein Festival für alle – und ein kulturelles Statement
„Das Schlosslichtspiele Light Festival und die flankierende Ausstellung ›Media art is here‹ machen klar: Karlsruhe ist Stadt der Medienkunst. Es ist ein Ort, an dem Menschen verschiedenster Hintergründe zusammenkommen und gemeinsam ein Erlebnis teilen. Dass alle Angebote kostenlos sind, schafft einen niedrigschwelligen Zugang zu Kunst und Kultur – und eröffnet Künstler*innen der Region zugleich die Chance, ihre Arbeiten einem großen Publikum zu präsentieren“ erklärt Daniela Burkhardt, Leitung Projektkoordination UNESCO Creative City of Media Arts.
Kunst trifft Forschung – mitten in Karlsruhe
Die Schlosslichtspiele 2025 zeigen damit eindrucksvoll, wie sich wissenschaftliche Themen nicht nur intellektuell, sondern auch künstlerisch entfalten lassen. Das Schloss wird zum Resonanzraum für Fragen nach Nachhaltigkeit, nach Ordnung und Chaos, nach den unsichtbaren Kräften, die unser Universum bestimmen.
Hunderttausende Besucher*innen werden in diesem Spätsommer nach Karlsruhe kommen, um diese Symbiose aus Kunst und Forschung zu erleben – und sie alle eint die Erfahrung, dass Wissenschaft nicht nur Zahlen und Formeln bedeutet, sondern auch Licht, Klang und Vision.
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Titelbild: „Reflexion in Technik“ von Ari Dykier: Eine poetische Auseinandersetzung mit historischer Medientechnik, fernab KI-generierter Glätte. Foto: Schlosslichtspiele