Karlsruhe Barrierefrei: Eine Web-App für alle
Karlsruhe hat mehr barrierefreie Orte, als die meisten ahnen. Arthur Budnik hat es sich zur Aufgabe gemacht, genau das sichtbar zu machen. Wer in Karlsruhe einen barrierefreien Ort sucht, hat es seit dem Herbst-Relaunch noch leichter. Hinter dem Projekt Karlsruhe Barrierefrei steckt Arthur Budnik, der seit Juni 2025 die gleichnamige Projektstelle bei der Sozial- und Jugendbehörde besetzt. Wir haben mit ihm über die Web-App, die Gründung einer Community und die Wichtigkeit von Barrierefreiheit gesprochen.
Was die Web-App kann
Wer die Plattform öffnet, landet auf einer Landingpage mit vier klar strukturierten Einstiegspunkten: Übersichtskarte, Orte in der Nähe, Live-Informationen und eine textbasierte Version für Screenreader. Auf der Startseite lässt sich direkt per Adresse oder Standort navigieren.
Besonders hervorzuheben sind die Live-Informationen: Die App zeigt in Echtzeit an, ob Aufzüge in Betrieb sind – und zwar konkret die 22 Aufzüge im Karlsruher Stadtbahntunnel der KVV sowie die Aufzüge der Deutschen Bahn am Hauptbahnhof. Frei oder außer Betrieb – auf einen Blick erkennbar an grünen und roten Symbolen. Zusätzlich sind ausgewählte Behindertenparkplätze in der Innenstadt mit Sensoren verknüpft, die deren Belegung in Echtzeit anzeigen: grün (frei), rot (besetzt), orange (teilweise belegt).
„Ich finde die Live-Informationen mit die interessanteste Funktion“, sagt Arthur. „Das sind Sachen, die nicht nur Menschen mit einer Behinderung betreffen, sondern alle Menschen in der Stadt, die einen Fahrstuhl nutzen.“
Wer sich irgendwo in der Stadt befindet und wissen möchte, was in der Umgebung barrierefrei zugänglich ist, kann die Funktion „Orte in Ihrer Nähe“ nutzen: Einfach einen Radius einstellen – zum Beispiel 500 Meter – und schon erscheint eine Liste aller barrierefreien Orte in der Nähe. Die Karte lässt sich außerdem nach Stadtteil, Kategorie und konkreten Barrierefreiheits-Merkmalen filtern – ob Café, Restaurant, Bürgerbüro oder Sporthalle.
Von der Datenbank zur lebendigen Plattform
Bereits 2014 beschloss der Gemeinderat, eine Datenbank barrierefreier Orte in Karlsruhe aufzubauen. 2016 wurden die ersten Fragebögen digitalisiert – und „Karlsruhe Barrierefrei“ war geboren. 2021 folgte eine wichtige Kooperation mit den Sozialhelden e.V. aus Berlin, 2023 eine erste größere Überarbeitung der App. Bekannt wurde die Plattform seitdem vor allem in Fachkreisen. Das soll sich nun grundlegend ändern.
Seit Juni 2025 ist das Projekt offiziell als Zukunftsprojekt der Stadt Karlsruhe eingestuft. Im September 2025 wurde eine komplett neu gestaltete Version der Web-App veröffentlicht – mit optimierter Benutzerfreundlichkeit für Mobil- und Desktopgeräte und einer neuen Landingpage als Einstiegspunkt. Auch ein Beirat aus Vertreterinnen und Vertretern der Verwaltung sowie zivilgesellschaftlichen und unternehmerischen Partnern hielt im Oktober 2025 seine erste Sitzung ab.
„Es ist das Ziel, sie wirklich der breiten Masse bekannt zu machen – das ist der Auftrag, den ich dabei habe“, erklärt Arthur. Über 511 barrierefreie Orte sind aktuell eingetragen, die Karte wächst kontinuierlich. Je mehr Menschen dabei helfen, die Webapp mit Informationen zu versorgen und barrierefreie Orte eintragen, desto mehr erleichtert die Webapp allen Nutzer*innen den Alltag. Mitmachen lohnt sich also.
Profitieren können natürlich Menschen mit Behinderungen, aber beispielsweise auch Familien mit Kinderwagen, Menschen mit schwerem Gepäck, Seniorinnen und Senioren und neurodivergente Menschen, die ruhige oder gleichmäßig beleuchtete Räume suchen.
Wie auch die Web-App barrierefrei wurde
Die Entscheidung für eine Web-App war bewusst und aus Arthurs Sicht eindeutig richtig:
„Mit der Web-App kann ich jemandem einfach einen QR-Code oder einen Link schicken – und er ist drin. Das Anmelden im App-Store, das Runterladen, das Finden der Funktionalität – das ist für viele Menschen schon eine große Hürde.“ Gerade für ältere Menschen oder Menschen mit kognitiven Einschränkungen sei das ein entscheidender Vorteil.
Die Web-App informiert nicht nur, sondern ist auch als Produkt barrierefrei. Es wurde sich bewusst dafür entschieden, sie nicht als mobile App, sondern als Browser-Version zu programmieren, denn „Mit der Web-App kann ich jemandem einfach einen QR-Code oder einen Link schicken – und er ist drin. Das Anmelden im App-Store, das Runterladen, das Finden der Funktionalität – das ist für viele Menschen schon eine große Hürde“, erklärt Budnik. Gerade für ältere Menschen oder Menschen mit kognitiven Einschränkungen sei das ein entscheidender Vorteil.
Darüber hinaus gibt es eine Textversion von allen Funktionen, die von Screenreadern problemlos gelesen – und so Menschen mit Sehbehinderung die Nutzung ermöglicht.
Karlsruhe Barrierefrei bei den Hack Days
Für karlsruhe.digital besonders interessant: Arthur plant, bei den Karlsruher Hack Days mit einem Workshop dabei zu sein. Dort soll es nicht nur Theorie geben, sondern echtes Erleben: “Dass man sozusagen vor Ort auch mal erlebt, was Barrierefreiheit ist. Ich habe dafür 1,5 Stunden Zeit und zeige dann praktisch wirklich live, wie Barrieren aussehen können und was Barrierefreiheit bedeutet. Das finde ich auch cool, mal vom virtuellen ins reale reinzukommen!”
Es braucht ein Dorf, oder eine Stadt wie Karlsruhe
Ein wichtiger nächster Schritt ist die Gründung des Teams Karlsruhe Barrierefrei am 13. März. Ziel ist es, mehr Menschen in der gesamten Stadt zu befähigen, selbst barrierefreie Orte in die Datenbank aufzunehmen.
„Sehen Sie irgendwo eine barrierefrei zugängliche Kirchengemeinde in Oberreuth – dann können Sie die aufnehmen. Sehen Sie, dass eine Sparkasse oder ein Laden barrierefrei zugänglich ist? Dann können Sie das aufnehmen. So versuchen wir, in die Breite zu gehen.“
Denn jetzt geht es darum, gemeinsam den Radius zu vergrößern, in dem barrierefreie Orte auf der Übersichtskarte eingetragen sind. Das Stadtzentrum ist bereits gut abgebildet, aber um noch mehr Menschen einen Vorteil durch die App zu verschaffen, braucht es Menschen, die auch über ihre Stadtteile Orte melden, die barrierefrei sind.
Die Situation in Karlsruhe? Besser als gedacht.
Abschließend haben wir Arthur gefragt, wie er die Barrierefreiheitssituation in Karlsruhe generell einschätzt. Seine Antwort war positiv – und gleichzeitig ein Auftrag an uns alle: „Ich würde sagen, die Situation ist gut – und vor allem ist sie besser, als man glaubt. Es gibt viel mehr barrierefreie Orte, als wir alle so wissen. Und genau das ist das Ziel: Diese Orte den Menschen präsent zu machen.“
Noch gibt es freie Plätze für die Auftaktsitzung (inklusive Schulung). Wer mitmachen möchte, kann sich per E-Mail melden: mobilitaet.srb@karlsruhe.de
Die Web-App ist direkt erreichbar unter: geoportal.karlsruhe.de/karlsruhe_barrierefrei
Mehr Infos zur Geschichte des Projekts und zur Anmeldung für das Community-Team gibt es auf der offiziellen Seite der Stadt Karlsruhe.