Dirk Fox
Secorvo Security Consulting GmbH / KA-IT-Si
Die in der in der Initiative karlsruhe.digital engagierten Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Politik und Verwaltung gestalten den Standort Karlsruhe als Motor der Digitalisierung für eine zukunftsfähige und souveräne Gesellschaft und haben das folgende Manifest verfasst.
Karlsruhe bietet als Stadt des Rechts, als Zentrum der Informatik, als Standort exzellenter IT-Sicherheitsforschung und führender Technologieunternehmen mit starkem mittelständischem, wissenschaftlichem und zivilgesellschaftlichem Engagement eine hervorragende Ausgangslage, um die Digitale Souveränität Europas mitzugestalten.
In einer Welt, die von digitalen Abhängigkeiten, monopolistischen Plattformen, intransparenten KI-Systemen und geopolitischen Unsicherheiten geprägt ist, kann Karlsruhe einen besonderen Beitrag leisten: nicht durch Abschottung, sondern durch Kompetenz, Vertrauen, Offenheit und Handlungsfähigkeit.
Digitale Souveränität bedeutet für uns: auch in der digitalen Welt selbstbestimmt entscheiden, sicher handeln, Abhängigkeiten erkennen, Alternativen schaffen und im Ernstfall handlungsfähig bleiben. Sie ist nach unserer Überzeugung eine zentrale Voraussetzung für eine funktionierende moderne freiheitliche und demokratische Gesellschaft. Karlsruhe wartet nicht auf Digitale Souveränität – die Akteure in Karlsruhe gestalten, erproben, erklären und bringen sie erfolgreich in die Anwendung.
Digitale Souveränität entsteht nicht allein durch Technologie, sondern durch das Verständnis der Technologie und die Fähigkeit, Technologie zu bewerten, zu gestalten und verantwortungsvoll einzusetzen. In Karlsruhe bündeln wir dafür einzigartige Voraussetzungen: Exzellenz in Informatik, IT-Sicherheit, Datenschutz, Recht, Ethik, KI und Technologietransfer trifft auf eine innovative Verwaltung, internationale Strahlkraft als Stadt der Medienkunst sowie starke unternehmerische Umsetzungskraft.
Karlsruhe wird zum Erprobungsraum für souveräne digitale Lösungen. Forschungseinrichtungen, Hochschulen, Unternehmen, Verwaltung, Start-ups und Zivilgesellschaft testen gemeinsam, wie sichere, transparente und nutzerorientierte digitale Systeme im Alltag funktionieren können. Was hier entwickelt wird, soll hier sichtbar, nutzbar und skalierbar gemacht werden.
Ohne IT-Sicherheit gibt es keine Digitale Souveränität. Karlsruhe steht für die Kompetenz, digitale Systeme robust, überprüfbar und widerstandsfähig zu machen. Wir fördern Security by Design, Privacy by Default, Verschlüsselung, sichere Identitäten, vertrauenswürdige Infrastrukturen und Resilienz gegen Angriffe. Dies sind keine Zusatzfunktionen, sondern Grundlagen souveräner Digitalisierung.
Karlsruhe verbindet technologische Kompetenz mit rechtsstaatlichem Denken. Informationelle Selbstbestimmung, Datenschutz, Transparenz, Nachvollziehbarkeit und faire digitale Geschäftsmodelle sind keine Innovationsbremsen, sondern europäische Qualitätsmerkmale. Digitale Souveränität braucht Technik, die Freiheit schützt, Grundrechte respektiert, Vertrauen schafft und Verantwortung klar zuordnet. Karlsruhe verbindet das „Wollen“ (politisch-juristischer Wille zur Selbstbestimmung) mit dem „Können“ (technologische Kompetenz) und dem „Verstehen“ (gesellschaftliche Bildung).
Karlsruhe gestaltet die Digitale Souveränität mit, da komplexe Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) in Karlsruhe nicht nur angewendet, sondern verstanden, geprüft und verantwortungsbewusst eingesetzt werden. Für kritische Anwendungen schaffen wir nachvollziehbare Modelle, auditierbare Systeme, klare Eingriffsmöglichkeiten und setzen auf menschliche Verantwortung. Der Mensch bleibt die letzte Entscheidungsinstanz – Techniken wie KI sollen befähigen und unterstützen, nicht bevormunden.
Souveräne Digitalisierung benötigt Zugriff auf das, was kritisch ist: Quellcode, Schnittstellen, Prüfmechanismen, Sicherheitsnachweise und Qualitätsstandards. Karlsruhe setzt auf Open Source, hinterlegten „Trusted Source“ und auf transparente Software-Ökosysteme, wo immer dies Unabhängigkeit, Sicherheit und Auswechselbarkeit stärkt. Entscheidend ist nicht Ideologie, sondern überprüfbares Vertrauen und die Möglichkeit, Quellcode nachzuvollziehen und anzupassen.
Karlsruhe ist stark, weil hier Mittelstand, Wissenschaft, Kultur und öffentliche Hand eng miteinander verbunden sind. Diese Akteure müssen Kontrolle über sensible Daten, Zugriffe und Nutzungsbedingungen behalten. Wir fördern dezentrale Datenräume, klare Berechtigungsmodelle, europäische abgesicherte Infrastrukturen und ermöglichen Kooperation ohne Kontrollverlust.
Wer nicht wechseln kann, ist nicht souverän. Wir setzen uns für offene Standards, interoperable Systeme, portable Datenformate und standardisierte Schnittstellen ein. Digitale Lösungen müssen für die Nutzer*innen transparent und so gestaltet sein, dass Verwaltung, Unternehmen und Bürger*innen ihre Daten mitnehmen, Systeme verbinden und Anbieter wechseln können.
Digitale Souveränität darf nicht auf dem Papier enden. Sie muss in Beschaffung, Governance, Pilotprojekten und bei den Nutzer*innen ankommen. Wir fordern öffentliche Auftraggeber, Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus der Region auf, Vorreiter und Game-Changer zu sein, indem sie Sicherheit, Datenschutz, Transparenz, Interoperabilität, Datenhoheit und Exit-Fähigkeit zu verbindlichen Kriterien machen. Gütesiegel, Wertegemeinschaften und Zertifikate dienen als Kaufempfehlungen für digital souveräne Lösungen und bieten Absicherung.
Digitale Souveränität braucht Menschen, die digitale Systeme kritisch nutzen, kompetent gestalten und verantwortungsvoll über ihren Einsatz entscheiden können. Wir fördern in Karlsruhe Bildungs-, Weiterbildungs- und Zertifizierungsangebote, die Bürger*innen, Verwaltung, Unternehmen und Fachkräfte befähigen, digitale Abhängigkeiten zu erkennen und souveräne Alternativen zu nutzen.
Als Stadt der Medienkunst und des Rechts bringt Karlsruhe darüber hinaus eine besondere Stärke ein: Institutionen machen komplexe digitale Technologien und deren gesellschaftliche Auswirkungen für eine breite Öffentlichkeit durch niedrigschwellige Angebote erfahrbar und zugänglich. So leistet die Medienkunst einen entscheidenden Beitrag dazu, Digitale Souveränität nicht nur technologisch zu entwickeln, sondern auch gesellschaftlich zu verankern, kritisch zu reflektieren und aktiv zu vermitteln.
Wir setzen uns in Karlsruhe dafür ein, Digitale Souveränität aus der Theorie in die Praxis zu bringen. Der Standort verfügt über starke Forschung, leistungsfähige Unternehmen, Transferinstitutionen, Netzwerke und anwendungsnahe Erprobungsräume. Diese Stärke wird genutzt, um aus Prinzipien konkrete Produkte, Standards, Pilotprojekte und skalierbare Lösungen zu machen. So entsteht aus Wissen Wirkung.
Über die Digitale Souveränität Europas wird nicht in Brüssel oder Berlin entschieden. Sie entsteht dort, wo Kompetenzen gebündelt, Technologien erprobt und Abhängigkeiten praktisch reduziert werden. Karlsruhe zeigt, wie eine Stadt – und damit auch die Anbieter digital souveräner Technologien – wirtschaftlich erfolgreich, technologisch offen und zugleich digital selbstbestimmt handelt und Digitale Souveränität aktiv gestaltet. So wird Digitale Souveränität zum Wettbewerbsvorteil für die Stadt mit ihren Anbietern digital souveräner Produkte und Dienstleistungen und für ihre Unternehmen, Institutionen und Bürger*innen.
Digital souverän ist, wer jederzeit – insbesondere, wenn es notwendig ist – handlungsfähig bleibt, wer versteht, was er nutzt, wer Abhängigkeiten kennt und Anbieter und Lösungen wechseln kann.
Dirk Fox
Secorvo Security Consulting GmbH / KA-IT-Si
David Hermanns
CyberForum
Matthias Hornberger
CyberForum
Martin Hubschneider
CyberForum
Markus Losert
Stadt Karlsruhe
Alexander Mädche
Karlsruher Institut für Technologie
Rainer Neumann
Hochschule Karlsruhe
Dominika Szope
Stadt Karlsruhe
Jan Wiesenberger
FZI Forschungszentrum Informatik